Die geschichte des Honsbergs

eine kurze Zusammenfassung:

Der Honsberg hat eine lange und sehr interessante Geschichte!

Weil wir sie nicht besser hätten beschreiben können, bedanken wir uns ganz herzlich bei Gisela Schmoeckel für den schönen Artikel 'Ein fast vergessener Stadtteil' über den Honsberg und die Erlaubnis des Magazins Bergische Blätter ihn hier zu veröffentlichen.

 

 

Ein paar Fakten und Ausschnitte:

 

Steile Wanderwege fuhren in die idyllischen, schluchtartigen Täler des Linkläuer- und des Lobachs zum industriegeschichtlichen Pfad im Hammertal. (...)

 

Urkundlich erwähnt wird „Hoensberech“ 1513. Im 18. Jahrhundert lebten und arbeiteten dort wenige Schmiede und Schlosser, Ende des 19. Jahrhunderts schwärmten Remscheider noch von den blühenden Obstgärten im Fruhjahr. Mit der schnell wachsenden Industrie und Bevölkerung Remscheids im Laufe des 19. Jahrhunderts entstand großer Wohnungsbedarf, vor allem an bezahlbaren Wohnungen für Arbeiter. 1887 hatten Remscheider Unternehmer den „Gemeinnützigen Bauverein“ gegründet, um die errichtete sie 1918 bis 19 die erste große Arbeitersiedlung der 1920er Jahre mit 288 Wohnungen an der Siemens- und Halskestraße, eben jene Reihenhäuser mit ihren großzügigen Grünflächen, in denen heute
Künstlerleben einzieht. (...)

Schon 1907 hatte der junge, aus München zur Mitarbeit beim Bau des pompösen Remscheider Rathauses (1906) berufene Architekt Ernst Bast (1880 bis 1969) eine Studie über die „Wirtschaftliche und künstlerische Gestaltung des Arbeiter-Wohnhauses in Remscheid“ veröffentlicht. Bast wurde als
Im „Reformführer NRW“ über soziale Bewegungen und Bauten wird Bast zitiert: „Es soll bei möglichster Beschränkung der Grundfläche, für ein Einfamilienhaus kaum mehr als 50qm, ein Haus so praktisch, so freundlich und behaglich in der Linienführung und Farbe wie möglich gemacht werden. (...)

 

Viele kommunistische Familien prägten den „roten Honsberg“ wie er in der Remscheider Bevölkerung genannt wurde. „Bergisch Moskau“, entstand als Begriff für die ganze Stadt, als nach dem Ersten Weltkrieg 1918 zunächst ein Arbeiterrat die Macht offiziell übernommen hatte. Nach der ersten Stadtparlamentswahl 1919 erhielten die sozialistischen Parteien SPD, USPD und KPD mit 60 Prozent der Sitze die Mehrheit. Wie ein Trauma erlebten die Remscheider die Folgen des Kapp-Putsches 1920 und den Einmarsch der Arbeiterkampftruppen aus dem Ruhrgebiet in Remscheid. (...)

 

Das „rote Honsberg“ wehrte sich 1933 entschieden gegen die Machtergreifung durch die Nationalsozialisten. In seinem Buch über Remscheider Arbeitersiedlungen beschreibt Johann Max Franzen, Remscheider Ansprechpartner der „Aktion Stolpersteine“, wie Remscheider Arbeiter vom Honsberg den Machtwechsel verhindern wollten. Am 2. Februar 1933 strömten Tausende auf den Markt und forderten in Sprechchören „Nieder mit Hitler“. Dieser Demonstration antwortete ein Fackelzug von 600 SA-Männern. Es soll zu nächtlichen Schießereien gekommen sein. Die Honsberger
errichteten Barrikaden auf den beiden Zufahrtswegen. (...)

 

Dramatisch veränderte sich seit den 1990er Jahren die Struktur der Einwohnerschaft durch den vermehrten Zuzug von Menschen mit Migrationshintergrund. Immer versuchte dabei der Hauptvermieter, die GEWAG, eine gewisse Ghettobildung zu vermeiden. (...) Der Honsberg drohte, seine Qualitäten als Wohnstandort zu verlieren. Den Leerständen von Wohnungen folgten die Leerstände der Läden. (...)

 

Aus einem Kreis um Mateja wurde an die GEWAG die Idee herangetragen, diese in ihrer Geschlossenheit fast malerischen Siedlungsbauten am südlichen Ende oberhalb der Kleingartenanlage weitestgehend zu erhalten und Künstlern als Quartier zum Wohnen und Arbeiten zu vermieten. Dem Vorschlag folgten zahlreiche Gesprächsrunden und letztendlich die Zusage seitens Hans-Jürgen Behrendt, Vorstand der GEWAG, diese Idee zu unterstützen. Er konnte auch den Aufsichtsrat überzeugen und als Partner der Künstler das bisher unerprobte Projekt „Ins Blaue“ starten. (...)
Für die bereits für den zweiten Teilabriss vorgesehenen Häuser erstellte die GEWAG ein Reaktivierungskonzept und nahm Geld in die Hand, um die Gebäude wieder so herzurichten und umzubauen, dass sie zu Wohn-, Arbeits- und Veranstaltungszwecken genutzt werden konnten. (...)

 

Der auf diese Weise wieder neu gewonnene Lebensraum mit 40 zusammenliegenden Wohnungen und einer Fläche von rund 2.200 Quadratmetern wird seit Juni 2018 an die Kulturwerkstatt e. V. zu einem geringfügigen Entgelt und gegen Übernahme der Betriebs- und Heizkosten vermietet. Weitere Umbaumaßnahmen in nahe gelegenen Straßen sollen Raum für Wohngemeinschaften schaffen, die sich aufgrund der Entwicklung am Honsberg dort niederlassen wollen. (...)

 

Mateja, die Wülfrather Künstlerin Katja Wickert und andere Honsberger Bürger sowie Künstler nicht nur aus Remscheid gründeten 2015 den Verein „Kulturwerkstatt Ins Blaue“ für Künstler, Designer und Musiker, um „Menschen aus allen kreativen Bereichen zu verbinden“, wie es auf der Internetseite des Vereins heißt. Diese Verbindung vor allem von Künstlern, die grenzüberschreitend in den verschiedenen Gattungen tätig sind, wurde schon beim ersten Projekt „Honsberg großArtig“ im Jahr 2013 sichtbar. Dauerhafte Spuren hinterließ im Juli 2016 „Streets“, mit seinen riesigen Graffiti von 22 Künstlern aus Frankreich, Italien, Estland, der Türkei und Schweiz auf den Hauswänden, die zum Entdeckungsweg durch das Viertel einladen. Ein Besuch polnischer Künstler ließ eine polnisch-deutsche Partnerschaft entstehen. Weitere internationale Kooperationen sind in Planung. (...)

 

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