Anja Schreiber

Emanuell Mir: Wenn ich deine Collagen betrachte habe ich das Gefühl, dass du diese Technik im surrealistischen Sinne verwendest: Du lässt fremde Elemente zusammenprallen und lässt dich über die Ergebnisse überraschen. Wie Max Ernst, scheint es dir dabei nicht um die Produktion von Bildern zu gehen, die irgendwie mit einer „Botschaft“ beladen wären und dem Rezipient etwas „mitteilen“ würden, sondern um die grösstmögliche Offenheit der Bildlesung. (die Surrealisten hatten ja die Aussage des Dichters Lautréamont für sich reklamiert: Das Leben sollte so schön sein, "wie die zufällige Begegnung eines Regenschirmes mit einer Nähmaschine auf dem Seziertisch“). Findest du dich in dieser Definition der Collage wieder? 

Anja Schreiber: Ich liebe diesen Satz von Lautréamont - aber meine eigene Arbeit sehe ich dort nicht und somit auch nicht im surrealistischen Sinne verankert. Es ist richtig, dass gerade in den Collagen fremde Elemente zusammenprallen und dass die Ergebnisse oft überraschend ausfallen – auch für mich. Mir geht es eher um das Finden von neuen semantischen Zusammenhängen. In dem ich Personen aus ihrem Kontext löse und diese in neue Kontexte setze ergeben sich für mich neue Leben, neue Körper, neue Geschichten. Das ist das, was mich interessiert. Auch den Kontext eines Bildes zu ändern, und zum Beispiel eine Figur in die Malerei zu setzen – ich meine, die Figur in die Malerei eintauchen zu lassen – ist ein Effekt, den ich suche. Als Kind habe ich mir oft gewünscht, in gemalte Bilder eintauchen zu können. Die Technik der Collage ermöglicht das.

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