André Ranke

Manchmal kann einem Käse helfen Sachen zu erkennen. Das war mir neu. Ich wusste, dass Käse häufig hilfreich ist. Warum auch nicht? Käse kann Vieles besser machen aber beim Erkenntnisgewinn fand ich ihn bis jetzt eigentlich eher hinderlich. Das liegt an seinem Verhalten im Kopf. Manchmal bleibt er dort stundenlang hart, wie in einem Kühlschrank. Dann kann nichts vorbei. Der große, harte Klumpen versperrt durch seine schiere Masse alle Zufahrtswege. In solchen Momenten fühle ich mich sehr dumm.
In anderen Momenten schmilzt der Käse aber das ist eigentlich auch nicht besser. Denn anstatt zu einer wohlig warmen, freundlichen Tunke zu zerlaufen, die sich wie Brandsalbe auf entzündete Nervenenden legt, passiert das genaue Gegenteil. Der Käse verwandelt sich einen zähen Schleim. Einen thanatoistischen, übelriechenden Sud, der kaum noch an Käse erinnert. Giftig schwappend füllt er einen Ventrikel nach dem anderen aus, verstopft Thalamus und Hypophyse bis sich ein Gefühl verwirrender Entkörperung einstellt. Alles wirkt zerdreht und rückt ein ganzes Stück von sich ab. Dann kann man eigentlich nur noch weggehen und warten. Nicht besonders schön.
Das Gute daran ist aber, dass jeder manchmal einen Käse im Kopf hat. Nie den Gleichen aber immer Käse. Das allein ist auch noch nicht gut. Aber wer den eigenen Käse kennt, kann manchmal auch den anderer erkennen und das kann gut sein.